Pressemitteilung – 8. Juli 2017

Ausstellung FürstenMacht & wahrer Glaube

FürstenMacht & wahrer Glaube.

Reformation und Gegenreformation – vom 15.7. bis 5.11. 2017

Pressemitteilung, 8.07.2017 Vorinformation zum Pressegespräch im Internationalen PresseClub München e.V., (Montag, 10. Juli 2017, 11 Uhr)

 

Ausstellungshöhepunkt im Lutherjahr 2017

Das Reformationsjubiläum bietet landesweit ein facettenreiches Angebot an Ausstellungen und Veranstaltungen. Die im Herzen Bayerns gelegene ehemalige Residenzstadt Neuburg an der Donau leistet dazu einen einzigartigen Beitrag. Vom 15. Juli bis 5. November 2017 beschäftigt sich eine außergewöhnliche Schau mit der teils dramatischen Religionsgeschichte des Fürstentums Pfalz- Neuburg vom 16. bis zum Beginn des 18 Jahrhunderts. Damit ist die kulturhistorische Ausstellung die einzige im Jubiläumsjahr, die sich auch eingehend mit der Gegenreformation befasst. Dieses Alleinstellungsmerkmal gepaart mit den gewählten Örtlichkeiten und einem Erlebnisweg an Originalschauplätzen beschert der Ausstellung landesweite Geltung.

Schloss, Fürstengang und Hofkirche Neuburg – Der Ausstellungsort

Kaum ein Ort dürfte besser geeignet sein als Neuburg an der Donau, um die Konfessionsgeschichte von der Reformation zur Gegenreformation in einer Ausstellung am authentischen Schauplatz und in historischen Räumlichkeiten zu erzählen. Auch in Neuburg beginnt diese Erzählung mit Martin Luther, aber sie geht hier nicht geradlinig weiter. Der Reformation folgt die Gegenreformation, und auch innerhalb dieser Abfolge gibt es ein Hin und Her, mehrfache Wechsel der Konfessionen, die stets „von oben“ herab veranlasst wurden, also durch die Macht der jeweils herrschenden Fürsten. Selbstverständlich beginnt die Ausstellung in und mit der Neuburger Schlosskapelle, dem ältesten für den protestantischen Ritus ausgestatteten Kirchenraum. Mit ihren einmaligen Fresken ist sie selbst ein Hauptexponat der Ausstellung, ihr Auftakt und erster Höhepunkt zugleich. Am Ende steht als ebenso selbstverständlicher Abschluss die Neuburger Hofkirche: als protestantischer Musterbau begonnen, wurde sie nach dem Konfessionswechsel des Fürsten zur katholischen Jesuitenkirche. Zwischen diese beiden Pole, an denen die Themen Reformation und Gegenreformation in Neuburg gleichsam ihre natürliche Verortung haben, spannen sich die weiteren zehn Kapitel der Ausstellung.

Ein „protestantischer Musterstaat“, eine Hochzeit und ein Todesfall, Wallfahrten und Wunder – Die Ausstellungskapitel

Im Schloss beginnt die Erzählung bei Pfalzgraf Ottheinrich und seiner Gattin Susanna als gemischtkonfessionelles Paar – fand ein religiöser Dialog zwischen den beiden statt? Vor ihren Bildnisteppichen kann man darüber spekulieren. Danach gelangt man in die sog. Amalienzimmer: Welche christlichen Traditionen gab es in dem Gebiet, das 1505 zur „Jungen Pfalz“ und dann unter ihrem ersten Herrscher evangelisch wurde? Im Rittersaal geht es schließlich um „Region und Religion“. Die amtierenden Fürsten bestimmten die Konfession für ihren Regierungsbereich: „cuius regio, eius religio“ - wes der Fürst, des der Glaub’. Anders als bei einer sonstigen Besichtigung des Neuburger Schlosses muss man den Rittersaal danach nicht wieder durch den Eingang verlassen: es geht weiter in den Fürstengang, zu dem eigens für die Laufzeit von „FürstenMacht & wahrer Glaube“ ein zugemauerter Durchgang geöffnet wird - man wandelt auf den Spuren der Fürsten. Sechs Abteilungen, die als eine besondere Art von Kreuzweg spektakulär inszeniert sind, werden sechs aufeinander folgenden Pfalz-Neuburger Herrschern und ihrer jeweiligen Regierungszeit gewidmet.

1618: Untertanen im Glaubensverhör

Auf den Spuren der Fürsten - von Ottheinrich, dem katholischen Wallfahrer ins Heilige Land und später überzeugten Lutheraner über den „protestantischen Musterstaat“ Philipp Ludwigs bis hin zur machtpolitisch motivierten und persönlich hochdramatischen konfessionellen Wende unter seinem Sohn Wolfgang Wilhelm - läßt sich der mehrfache Wechsel der Konfessionen verfolgen. Welche Auswirkungen hatten diese religionspolitischen Entscheidungen für die Untertanen, die „daran glauben“ mussten? Als in Neuburg mit Hilfe der Jesuiten die Gegenreformation eingeführt wird, mussten sich alle Bürger bis hin zum einfache Handwerker einem Verhör zu ihrem Glauben unterziehen. In der Ausstellung werden diese Befragungen multimedial nacherlebbar. Am Ende dieses Fürsten- und 'Glaubensweges' gelangt der Ausstellungsbesucher in die Hofkirche. Von Philipp Ludwig noch als evangelischer Gegenentwurf zur Münchner Michaelskirche konzipiert - "Trutzmichel" genannt -, wird sie nach der Konversion Wolfgang Wilhelms programmatisch im Sinn der Gegenreformation als katholische Jesuitenkirche vollendet. Eine beeindruckende Stuckausstattung und Rubens‘ „Jüngstes Gericht“ (heute in der Alten Pinakothek München) sollten die Kirchenbesucher vom „wahren Glauben“ überzeugen. Vor dem für die Landesausstellung 2005 angefertigten original großen Faksimile des „Jüngsten Gerichtes“ kann der Ausstellungsbesucher in der Hofkirche noch einmal den historischen Höllenängsten und Erlösungswünschen nachspüren.

Reichsapfel, Augenwende-Madonna, „Jüngstes Gericht“ – Die Exponate

Insgesamt werden rund 150 hochkarätige Exponate unterschiedlichster Gattungen (Gold- und Silberschmiedearbeiten, Gemälde, Graphik, Skulpturen, Bücher, originale Dokumente, kunsthandwerkliche Objekte, Textilien) von 30 verschiedenen Leihgebern aus ganz Deutschland gezeigt. Dabei war es den Ausstellungsmachern wichtig, dass auch ehemalige mit Pfalz-Neuburg verbundene Orte wie Lauingen, Höchstädt, Sulzbach, aber auch Düsseldorf, Jülich und Heidelberg mit einbezogen werden konnten. Würzburg ist wieder mit zwei der historischen Reisebilder Ottheinrichs dabei, die seit der Landesausstellung von 2005 nicht mehr zu sehen waren. Auch Neuburg selbst steuert Vieles bei: nicht nur der Historische Verein, sondern ebenso Institutionen wie das Studienseminar, die Kirchen und Klöster präsentieren ihre Schätze, die in ihrer Gesamtheit ein höchst anschauliches Geschichtsbild der Zeit von der Reformation zur Gegenreformation vermitteln.

Eine Schatzkammer für Neuburg – was über die Ausstellung hinaus bleibt

Erstmals zu sehen sein wird eine bisher nicht existente, neu eingerichtete Schatzkammer der Hofkirche am Ende des Fürstengangs. Sie wird Neuburg auch nach dem Ende der Ausstellung als weitere touristische Attraktion erhalten bleiben.

Veranstalter und Förderer

Veranstaltet wird die Ausstellung vom Stadtmuseum Neuburg an der Donau mit seinen beiden Trägern, der Stadt und dem Historischen Verein, in Kooperation mit der Bayerischen Schlösserverwaltung. Im Rahmen des Sonderprogramms zum Luthergedenkjahr 2017 fördert die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien in Berlin, der Bayerischen Kulturfonds, der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sowie das Bistum Augsburg und nicht zuletzt auch die Evangelischen Landeskirche Bayern die von Neuburgs Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling auch „kleine Landesausstellung“ genannte Schau. Ministerpräsident Horst Seehofer hat gemeinsam mit S. K. H. Herzog Franz von Bayern die Schirmherrschaft übernommen und wird die Ausstellung bei einem Staatsakt für geladene Gäste in Hofkirche und Schloss am 14. Juli 2017 feierlich eröffnen.

Druckfrisch – das wissenschaftliche Katalogbuch zur Ausstellung

FürstenMacht & wahrer Glaube – Reformation und Gegenreformation. Hg. von Michael Henker, Markus Nadler, Michael Teichmann, Roland Thiele und Winfried Dier. Regensburg, Verlag Friedrich Pustet 2017, 452 Seiten, Preis: 25 Euro (erhältlich in der Ausstellung, online beim Verlag sowie im Buchhandel) Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung "FürstenMacht & wahrer Glaube – Reformation und Gegenreformation" vom 15. Juli bis 5. November 2017 im Schloss, dem Fürstengang und der Hofkirche in Neuburg an der Donau. Anlässlich 500 Jahre Reformation und gleichzeitig 400 Jahre Gegenreformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg widmet sich der Aufsatzteil des Kataloges facettenreich und interdisziplinär den Kontroversen in der Auseinandersetzung um den „wahren Glauben“, die sich in kaum einem anderen Staat in Deutschland im 16. und 17. Jahrhundert intensiver abspielten als in Pfalz-Neuburg und damit in Teilen des heutigen Altbayerns, Schwabens und Frankens. Pfalzgraf Ottheinrich führte dort 1542 den evangelischen Glauben ein, Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm kehrte 1617 zur katholischen Kirche zurück. Beide Glaubenswechsel wurden durch Krieg und Besatzung noch einmal rückgängig gemacht, bevor sie sich durchsetzten. Für dieses Ringen waren religiöse und politische Motive entscheidend. Die Neuburger Wittelsbacher bewegten sich im Spannungsfeld zwischen Kurpfalz und Bayern, zwischen protestantischer Union und katholischer Liga. Ein Hauptziel war die Erbschaft der strategisch bedeutenden Herzogtümer Jülich-Berg am Niederrhein, wodurch die Pfalzgrafen in eine Konfliktlinie der europäischen Machtkämpfe gerieten. Von diesem Ringen um Macht und ‚wahren Glauben‘ zeugen bedeutende Kunstgegenstände und Schriften sowie herausragende Bauwerke: Die Neuburger Schlosskapelle ist der früheste protestantische Kirchenraum in Deutschland. Die benachbarte Hofkirche wurde als evangelischer Gegenentwurf zur Münchner St. Michaelskirche begonnen, jedoch katholisch vollendet und den Jesuiten übergeben. Das Katalogbuch präsentiert nicht nur die Exponate der Ausstellung in hochwertigen Farbabbildungen und mit fundierten Beschreibungen, sondern auch Aufsätze zahlreicher renommierter Autoren zu Reformation und Gegenreformation

Presse-Informationen:


Roland Thiele, Organisationsleiter und 1. Vorsitzender Historischer Verein Neuburg

Dr. Michael Teichmann, Ausstellungskurator

Eva Gerum M.A., Öffentlichkeitsarbeit, Besucherservice

Telefon: 08431-53689-0

presse@fuerstenmacht.de

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