„Prodesse et delectare“ – #Credo, der #Zeitbot stellt sich vor

Mit „Credo“, dem Prototyp der bayerischen Museums-Chatbots, auf den Spuren von Reformation und Gegenreformation in Neuburg

Nachlese zur Neuburger Projekt-Preview am Internationalen Museumstag (21.5.2017)

 

Logo #IMT17
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Bevor der Neuburger Chatbot im Juli erstmals durch die große Ausstellung „FürstenMacht und wahrer Glaube. Reformation und Gegenreformation“ führen wird, lud das Stadtmuseum zum Internationalen Museumstag RepräsentantInnen der lokalen Presse, Mitglieder des Historischen Vereins und weitere InteressentInnen insbesondere aus dem Kreis der Neuburger Stadtführer zum Projekt-Einblick.
Nach einer kurzen Einführung durch Museumsleiter Dr. Michael Teichmann gaben Kurt Müller, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neuburg-Rain, sowie Dr. Ingo Krüger, geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung, in einem von Susanna Wolf M.A., Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Abt. Christl. Publizistik, moderierten Gespräch Einblick in die Projektarbeit und beantworteten zusammen mit Wolf Kunert, Managing Consultant Mobility bei adesso AG in einer anregenden Diskussion zahlreiche Fragen aus dem Publikum.

von links: Dr. Bernhard Gmehling (Oberbürgermeister), Dr. Ingo Krüger (Vorstand Bayerische Sparkassenstiftung), Susanna Wolf M.A. (Projektkoordinatorin), Kurt Müller (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Neuburg-Rain), Dr. Michael Teichmann (Leiter Stadtmuseum Neuburg), Wolf Kunert (Managing Consultant Mobility, adesso AG) Fotos (2): Dorothee Pfaffel, Neuburger Rundschau

Was ist ein Chatbot? Und wozu soll er dienen?

Ab Mitte Juli thematisiert Neuburgs große Ausstellung zum Lutherjahr 2017 unter Federführung des Stadtmuseums in Schloss, Fürstengang und Hofkirche Reformation und Gegenreformation – auch digital!
Ein Chatbot wird die kultur- und religionsgeschichtliche Spurensuche durch die Ausstellung begleiten. BesucherInnen laden sich den digitalen Ausstellungsbegleiter namens „Credo“ als App auf ihr Smartphone und treten mit ihm per Textnachricht in direkten Dialog: Der Bot steht Rede und Antwort zu Themen, Exponaten und den historischen Hintergründen der Ausstellung. Besucher ohne Smartphone bleiben nicht außen vor. Ein stationärer Bot lädt im zweiten Amalienzimmer, dem auch sonst für Mitmach-Aktionen und Ausstellungspädagogik gestalteten Ausstellungsraum, zum spielerischen, interaktiven Ausstellungserlebnis ein.

Technisch sind Chatbots zwischen Suchmaschinen und künstlicher Intelligenz angesiedelt. Das Neuburger Projekt setzt dabei auf das selbstlernende, kognitive System IBM Watson – berühmt geworden durch die sogenannte ⇒Jeopardy!-Challenge, aus der das System bei der bekannten amerikanischen Quizshow schon 2011 gegenüber drei menschlichen Kandidaten als Sieger hervorging. Für die technische Umsetzung zeichnet die Firma adesso, einer der führenden IT-Dienstleister im deutschsprachigen Raum verantwortlich, die in einem weiteren Schritt auf der Basis der Erkenntnisse aus dem Neuburger Projekt, für die Landesstelle der nichtstaatlichen Museen in Bayern einen sogenannten App-Baukasten entwickeln wird. Damit handelt es sich bei dem Chatbot um ein nachhaltiges Projekt, das dem Stadtmuseum und Neuburg über die Ausstellung hinaus erhalten bleiben wird.

Mit dem Prinzip „Bring Your Own Device“ und einem an bekannte Messenger-Dienste angenäherten Look sollen natürlich vor allem junge und jung gebliebene, technikaffine Ausstellungsbesucher angesprochen werden.

„Museen sind – das dürfen wir nicht vergessen – auch im Zeitalter der Digitalisierung für den Erhalt unserer Kulturgüter zuständig und wichtige Bildungsinstitutionen. Für unsere Jugend müssen Museen attraktiv bleiben, um ihren Kulturauftrag nachhaltig zu erfüllen“, so Dr. Ingo Krüger.

#Credo

Um die Inhalte des Bots, der mit einem bisher nur als Schattenriss präsentierten Avatar namens „Credo“ bis zur Ausstellungseröffnung noch ein wenig geheimnisvoll bleiben wird und soll, kümmert sich Susanna Wolf zusammen mit ihren Erlanger Studenten, die Credo sozusagen „füttern“ – testen werden das „selbstlernende“ System die Neuburger Schüler des P-Seminars zur Ausstellung am Descartes-Gymnasium.

Charakter und Dramaturgie des digitalen Guides stammen vom wissenschaftlichen Partnerteam der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Hier geben Historiker, Philosophen und Religionswissenschaftlicher  „Credo“ einen Charakter und schreiben ihm eine Rolle auf den Leib. In dieser führt Credo die Museumsbesucher als aufgeweckter „Zeitreisender“ mit einem spannenden Rätselspiel durch die Ausstellung. Der Besucher wird zum Mitmachen animiert, lernt darüber spielerisch die historischen Protagonisten der Reformationszeit kennen und kann sich mit dem Chatbot unterhalten und Fragen stellen.

Schüler als Lehrer, spielerische Nutzung modernster Digitaltechnik auch, um Medienkompetenz zu trainieren, die Erschließung komplexer historischer Sachverhalte und bis heute existentieller Themen im Chat mit dem Smartphone – „prodesse et delectare“ so das Fazit von Stadtmuseumsleiter und Ausstellungskurator Dr. Michael Teichmann am Ende der Diskussion.

Finanzierung durch die Bayerische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Neuburg-Rain

Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling dankte am Schluss der Veranstaltung für das interdisziplinäre Vorzeigeprojekt, das noch nicht einmal den städtischen Ausstellungsetat belasten wird, da es zu 100 % von Sparkassenstiftung und Sparkasse Neuburg-Rain finanziert wird.

 

Weitere Berichte zur Veranstaltung finden Sie in unserem  ⇒Pressespiegel.

 

Bericht: Eva Gerum M.A., Redaktion